Ich glaube an die Liebe

Ich werde diesen Blog in 4 Bereiche einteilen und schreiben:

  1. Wie es mir momentan hier in der Auszeit geht
  2. Blick zurück
  3. Was ich erfahren und erkennen durfte
  4. Schlussfazit

1.     Wie es mir momentan hier in der Auszeit geht

 

Heute vor 2 Wochen bin ich physisch und psychisch, nach einer grossen Operation, in einem schlechten Zustand hierhergefahren. Heute brauche ich keine Schmerzmittel mehr, laufe täglich 2 Stunden und schwimme ein paar Längen, unglaublich!!

 

Eines ist mir unterdessen klar, das Leben wollte mir nicht mit Krebs oder mit dem Tod etwas zeigen, sondern mich seelisch erreichen. Damit ich hinhöre, musste ich eine grosse Operation durchleben. Es berührt mich ganz tief, was mit mir geschieht.

 

Im einem vorgehenden Blog habe ich das innere Bild von Kanada beschrieben. Es beschrieb mein Gefühl nach der Operation, dass ich auf einem anderen Kontinent angekommen bin und keine Ahnung habe, was ich hier soll, wie ich mit den Menschen, mit der fremden Kultur, der Landschaft, dem Klima umgehen soll. Hier in der Auszeit fühle ich mich, wieder bildlich gesprochen, wie im Kindergarten, oder in einem Einführungscamp. Ich bin isoliert von der Aussenwelt, abgekapselt, nur zum Lernen, Erfahren und Hinhören. Es wird mir vieles gezeigt, ich treffe ganz gezielt Menschen, die mir etwas aufzeigen (spiegeln) und ich erhalte einen differenzierten Einblick, werde geschult und berührt, damit ich den neuen Kontinent und mein Vorwissen in einen Zusammenhang bringen kann.

 

Ich werde jeden Tag mit einem Seelenthema konfrontiert, oft mit vielen Emotionen verbunden und verarbeite, recherchiere und erfahre in einem Tempo, dass mir manchmal fast schwindlig wird.

2.     Blick zurück

 

Krisenzeit

Alle die mich gut kennen, wissen, dass ich eine sehr intensive, ja schwere Zeit hinter mir habe. Viele Tränen, viele Fragen, viel Verzweiflung füllten oft den Tag, auch wenn das von aussen nicht sichtbar war. Mein Sehnen nach den schon mehrmals erwähnten Themen Liebe, Verbindung, Wahrheit, Berührung beeinflussten mein Leben, meine Beziehungen.

 

Vor ca. einem halben Jahr stürzten dann meine ganzen Konzepte zusammen. Ich zweifelte an der GFK (gewaltfreie Kommunikation), obwohl ich damit mein Geld verdiene, am Konfliktmanagement mit der Win-Win Situation (auch das brauche ich für den Beruf), an meinen spirituellen Inhalten und ich fragte mich, ob nicht alles eine Illusion sei. Einer meiner Coach, eine spirituelle Lehrerin, freute sich riesig über meinen Prozess, dies sei genau der Weg: grosses Sehnen, Konzepte die zusammenstürzen, nichts mehr Wissen. Ich muss ehrlich gestehen, ich konnte ihre Freude damals nicht teilen, ich hatte nur Angst. Eine Freundin freute sich mit und meinte, es ginge darum «nüme-welä-wölä» d.h. nichts mehr wollen zu wollen.

 

Gleichzeitig arbeitete ich an meinem Zellgedächtnis. Ich war der Überzeugung, dass diese Muster, die mich von dieser Liebe abhielten, nun nur noch in den Zellen gespeichert sein konnten. Ich hatte schon so viel daran gearbeitet, transformiert, integriert, aus der Kindheit und aus dem Erwachsenendasein. Und doch kamen sie mir immer wieder in die Quere, ganz automatisch.

Tumor

In dieser Zeit ist ein Tumor in meinem Bauch gewachsen. Seit wann? Keine Ahnung! Als ich ihn spürte, was er schon so gross wie ein Babykopf und ich nahm ihn wie eine vergiftete Kugel wahr. 

 

Unterdessen, 4 Wochen nach der Operation, ist mein Bauch nur noch eine Nebengeschichte. Er verheilt prima und macht mir keine Beschwerden. Dafür sind meine Seele und mein Geist gefordert. Wie schon gesagt: hinhören…

 

3.     Was ich erfahren und erkennen durfte

 

Ich werde nun schildern, was ich in den letzten 2 Wochen hier erlebt und erkannt habe. Es ist mir ganz wichtig, zu erwähnen, dass ich nicht den Anspruch habe, die alleingültige Wahrheit herausgefunden oder eine neue Lehre aufgestellt zu haben. Alles was ich weiss, habe ich aus Büchern, aus Weiterbildungen, von tollen LeherInnen und aus eignen Erfahrungen und Erlebtem. Was nun hier geschieht ist schlicht ein Zusammenzug von dem Wissen und Erfahrenen. Es ist, wie wenn sich die Fäden nun zusammenführen würden, um ein Gewebe zu weben. Ein Gewebe, das für mich Sinn macht und mir für die nächste Zeit ein Gewand sein wird. Dieses Gewebe lässt in mir meistens eine unendliche Dankbarkeit aufkommen, für alles, was ich erlebt und erfahren habe, denn dieses Gewand habe ich mir gewünscht. Doch ganz ehrlich, es gibt auch Zeiten, in denen ich alles verfluche und nur raus will!

 

Was ich definitiv nicht möchte, ist, ein neues Konzept, eine Religion mit Regeln und Gesetzen daraus entwickeln. Ich möchte in der Freiheit erfahren, wachsen, lernen und in der Bereitschaft bleiben, Neues anzunehmen und Bestehendes gehen zu lassen.

 

Im Blog vom 28.6. schrieb ich von «Präsenz» und von Eckhardt Tolle. Ich habe sein Buch «Jetzt» vor vielen Jahren sicher 20x gelesen, kreuz und quer. Ich fühlte mich enorm angesprochen von seinen Worten und seinen Ideen und doch bin ich immer wieder gescheitert. Die Idee, einfach nur in der Präsenz zu sein und den Kopf abzustellen, erwies sich als gar nicht als so einfach. Mein Kopf war zu stark, die Gedankenkurbel drehte unermüdlich weiter und hielt mich davon ab, einfach im Jetzt zu sein und wahrzunehmen.

 

Hier in meiner Auszeit wird nun dieses Thema Präsenz von aussen wie ein Schnellzug durchleuchtet und mit der Spiritualität verbunden. Ich kann nichts steuern, mir nichts vornehmen, ich werde durch einen Prozess geführt. Jeden Tag ist ein neues Thema aktuell und ich erfahre, durchlebe, recherchiere und erkenne vieles. Und ich habe den grossen Drang, alles aufzuschreiben und zu veröffentlichen.

 

Wahrnehmen mit den 4 Sinnen (Augen, Ohren, Nase, Mund)

In den ersten Tagen erwachten meine Sinne und ich bin voller Konzentration und Präsenz. Ich sehe die Dinge, die Natur, die Blumen, die Tiere, die Menschen, alles mit wachen Augen. Ich nehme Formen, Farben, Bewegungen, Gestalten, Gruppierungen… viel intensiver wahr. Ich höre die Vögel, die Bienen, die Musik, die Stimmen der Menschen und ihren Klang, ich rieche und schmecke das Essen intensiver als sonst. (ich spüre auch eine riesen Dankbarkeit dafür, dass ich weiterhin wahrnehmen darf und nicht sterben werde). Es war und ist ein grosses Geschenk!

 

Doch sehr schnell wurde mir klar, dass ich immer noch nicht den ganzen Tag präsent sein kann. Und ich realisierte, dass präsent sein nicht automatisch bedeutet, auch berührt zu sein.

Dies waren die Auslöser, mich darin mehr zu vertiefen, zu recherchieren und bewusst zu erfahren.

Wahrnehmen mit dem 5. Sinn (Haut)

Der 5. Sinn macht mich traurig. Ich bin mir je länger je mehr bewusst, wie wenig Berührung ich über die Haut wahrnehme und wie wenig ich und die Menschen um mich herum Berührung suchen und zulassen. Nur schon die Fragen, bin ich präsent und nehme ich die Berührung des Windes auf meiner Haut wahr? Oder die Temperatur und Bewegung des Wassers? Wieviel laufe ich barfuss und nehme über die Füsse wahr und lasse mich berühren? Wieviel berühre ich mich selber? Bin ich achtsam und präsent, wenn ich mich dusche, mich einseife, eincreme? Oder erledige ich das, während ich an etwas anderes denke oder es einfach getan werden muss? Streichle und berühre ich mich bewusst selber? Kann ich das Streicheln und die Berührung eines anderen Menschen zulassen, geniessen und berührt es mich tief? Oder ist Körperkontakt v.a. mit Triebbefriedigung gekoppelt? (was ja auch seine Berechtigung hat!) Bin ich mir bewusst, dass ich berühre? Bin ich mit meinem Herzen verbunden, wenn ich jemanden mit den Händen berühre? Und ist das nur mein Thema? Oder beschäftigt das auch andere? Erstaunlich dabei ist für mich immer wieder, dass die Menschen, mit denen ich das Thema anspreche, nicht nachvollziehen können, was ich meine!? Ist das wirklich so abgehoben und fremd?

 

Ich möchte immer mehr mit dem Herzen verbunden sein, wenn ich berührt werde und wenn ich berühre! Und gleichzeitig möchte ich an meiner Berührungsqualität arbeiten, sie kennenlernen, ausprobieren, was sich wie anfühlt, beim Geben und beim Empfangen! (feine & feste Berührungen, schnelle & langsame B., aktive B. & Pausen, B. an Ort & Ganzkörperstreichungen…). Diesem Thema werde ich mich sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt in einem weiteren Blog noch mehr widmen!!

 

In einem früheren Blog habe ich mir schon die Frage gestellt, was mich von Präsenz und Berührung abhält. Es ist mir ein riesiges Anliegen, darauf Antworten zu finden. Ich habe in der Achtsamkeit (MBSR), bei Eckhardt Tolle, Sri Aurobindo und der gewaltfreien Kommunikation recherchiert. Sie sind einstimmig der Meinung, dass unsere Gefühle und unsere Gedanken zu einem grossen Teil daran beteiligt sind, uns vom Jetzt abzulenken. Dem möchte ich auf den Grund gehen und ich habe hier in der Auszeit und auch früher schon viel darüber gelernt und erfahren.

Der Mensch und seine Körper

Die Anatomie und die Neurologie kann genau erklären, wo die Gefühle und die Gedanken herkommen und wie sie entstehen. In der Spiritualität wird der Mensch nicht nur auf seinen menschlichen Körper reduziert, sondern auch die feinstofflichen Körper Äther- (Fitness), Astral- (Gefühl), Mentalkörper (Gedanken)…) gehören dazu. In diesen feinstofflichen Körpern sind unsere «Fitness» und unsere Gefühle und Gedanken festgehalten und ersichtlich.

Ich werde vom Inhalt her nicht näher auf diese Körper eingehen, dazu findet man unendlich viele Informationen in Büchern und im Internet. Aber es beeindruckt mich, dass diese Bereiche scheinbar einen sehr hohen Stellenwert in unserem Leben haben.

 

Frage: halten mich mein Körper, meine Gefühle und meine Gedanken von der Präsenz und der bewussten Berührung ab? Dem möchte ich nachgehen.

Meine Fitness (Ätherkörper)

Hier im Tannerhof ist es möglich, die «schlanke Tanne» zu buchen. Das bedeutet, das Mittagessen ist die Hauptmahlzeit, mit viel Salat, Gemüse und Eiweiss. Am Abend kann man wählen zw. Salatteller, Gemüseteller oder Suppe. Ich habe diese Form gewählt, weil ich mich zu Hause so ernähre und mir das viele Essen am Abend aufliegt. Nun sitzt man automatisch mit allen anderen schlanken Tannenmenschen zusammen in einem Raum, weil diese Art von Ernährung für viele Verzichten bedeutet und sie sich so unter Gleichgesinnten befinden. Das Hauptgesprächsthema: Essen und Bewegung… Mir wurde bewusst, dass für viele Menschen der Umgang mit Ernährung und Bewegung ein rotes Tuch ist und es ihnen schwerfällt, dies in ihrem Alltag bewusst zu leben. (dies wäre/ist in ihrem Ätherkörper ersichtlich). Und, was mich zu meinen Themen v.a. interessiert und meine TischgenossInnen bestätigten, es fällt ihnen schwer, in der Präsenz zu sein und mit den Sinnen wahrzunehmen, weil sie die ganze Zeit im Kopf drehen, was sie tun und was sie lassen sollten. Auch das übersatt sein und der Zucker, der den Körper schlapp macht, nehmen sie eigentlich als lästig wahr. Doch sie machen sich jetzt schon Sorgen, wie sie das Ess- und Bewegungsverhalten zu Hause verändern können.

 

Ich selber merke das v.a. beim Schlaf. Nur wenn ich genug geschlafen habe und mich untertags ausruhen und «zwischenverdauen» kann, bin ich fähig, konzentriert und in der Präsenz zu sein und wahrzunehmen. Am Abend z. B. bin ich oft überfordert und habe keine Chance mehr, bewusst wahrzunehmen.

 

Ich bin sicher, es ist medizinisch und wissenschaftlich schon erforscht worden, dass unsere Fitness auf unseren wachen Geist, unsere Konzentration und unsere Wahrnehmung einen grossen Einfluss hat.

 

Mein Fazit: Eine gesunde Ernährung, Bewegung und genug Schlaf können mir helfen, in der Präsenz zu sein und dies wiederum hilft mir, mich am Körper und im Herzen berühren zu lassen.

Erfahrung mit meinen Gedanken (Mentalkörper)

Wie oft im Tag unterbricht ein Gedanke oder ein ganzer Gedankenstrom meine Präsenz? Ich nehme mir vor, diesen Apfel ganz bewusst zu geniessen, 5 Sekunden später denke ich an etwas anderes. Doch dem nicht genug; welche Gedankenmuster und Glaubenssätze (was nichts anderes als Gedanken sind) lärmen unaufhörlich in meinem Kopf: Gabriela, du solltest das tun, aber das nicht. «Man» sagte mir, das darf ich und das darf ich nicht und weil ich das nicht reflektierte, wurde es zu einem Glaubenssatz. Ganz zu schweigen von all den Wertungen und Urteilen mir und anderen gegenüber. Wie sieht denn die aus? Ich hätte das heute besser machen sollen! Oder meine Erwartungen und Vorstellungen gegenüber mir und anderen! Gabriela, bist du gut genug? Reicht das? Schaffst du das? Die sieht nicht so aus, wie wenn sie das schaffen könnte.

 

Schon länger beschäftigt mich die Frage, wie komme ich aus diesem Gedankenkarussell heraus? Auch hierzu habe ich in der Achtsamkeit (MBSR), bei Eckhardt Tolle, Sri Aurobindo und der Gewaltfreien Kommunikation u.a. recherchiert. Sie sind sich darin einig, dass es wichtig ist, dass wir uns nicht mit unseren Gedanken und übrigens auch nicht mit unseren Gefühlen identifizieren und dass wir nicht unsere Gedanken und Gefühle sind, sondern Gedanken und Gefühle haben. Doch wer sind wir dann? Auf diese Frage werde ich weiter unten eingehen.

 

Die MBSR sagt, du kannst die Gedanken nicht stoppen, die sind so automatisch da wie der Atem. Versuche der Beobachter deiner Gedanken zu sein, ganz wertfrei. Die Gewaltfreie Kommunikation sagt, achte auf den Inhalt deiner Gedanken, versuche immer mehr ohne Urteil und ohne Wertung zu beobachten. Und wenn du Gefühle hast, trenne sie von deinen Gedanken und Disziplin um Herr über seine Gedanken werden zu können. Sri Aurobindo sagt, es braucht Disziplin und einen eisernen Willen um die Gedanken zügeln zu können.

 

Fazit:

Wie gesagt, ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit der GFK und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es viel Disziplin braucht, ein stetiger Wille, ein Dranbleiben, ein Reflektieren, ein Lernen und eine wertschätzende Haltung mir selber gegenüber, um die Gedanken immer wertfreier werden zu lassen und auch Momente der inneren Ruhe erleben zu dürfen. Viele Menschen, denen ich begegne, sagen: Ich kann nicht. Ich glaube heute, das ist gleichbedeutend mit: ich will nicht! So ganz nach dem Motto, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Sogar um mein Gedankenkarussell zu verlangsamen.

 

Erfahrung mit meinen Gefühlen (Astralkörper)

Das Thema Gefühle beschäftigt mich in Verbindung mit der GFK (gewaltfreie Kommunikation) schon seit vielen Jahren. Dieses Modell geht davon aus, dass alle Gefühle aus gestillten oder ungestillten Bedürfnissen entstehen. Z.B: ich bin zufrieden, weil ich mich bewegt habe, ich bin entspannt, weil ich hier Ruhe habe, ich bin traurig, weil ich mir einen Austausch wünsche, ich bin verwirrt, weil ich mehr Klarheit brauche… . Die GFK sagt weiter, dass die Gedanken mir darin einen Streich spielen, denn wir Menschen sind uns gewohnt, zu fragen, wer ist schuld, dass ich traurig oder verwirrt bin. (= Zusammenhang Gefühle und Gedanken!). Seit ich in den Wechseljahren bin, erfahre ich, dass Gefühle auch ohne Gedanken und ohne Voranmeldung auftauchen können. Plötzlich weine ich oder bin traurig. Aus der Traumaarbeit weiss man, dass gestaute oder verdrängte Gefühle durch einen physichen oder psychsichen Auslöser plötzlich auftauchen können, ohne jegliche Gedanken. Was mich jedoch mehr interessiert, ist, wie gehe ich mit Gefühlen um?

 

Im Moment sind mir folgende Punkte wichtig:

Ich möchte…

1.      die Gefühle zulassen und ernst nehmen

2.      mich nicht für Gefühle verurteilen

3.      meine Gedanken überprüfen, die mich davon abhalten, mich zu spüren/fühlen, die mich davon   abhalten, mit meinem Gegenüber in einer Herzensverbindung zu bleiben?

4.      nicht in den Gefühlen suhlen (Tolle sagt, nicht im Schmerzkörper verharren), sondern sie im Jetzt   annehmen.

5.      Den Verstand einsetzen und überprüfen, ob ich im Moment etwas verändern kann, ob ich ein   Bedürfnis wahrnehme, das gestillt werden möchte, ob ich Hilfe brauche…

 

Fazit:

Ich merke, wie wichtig die Gefühle in meinem Leben sind. Sie begleiten mich den ganzen Tag, einmal angenehm, oft aber auch unangenehm. Ich denke, das ist nicht das Problem, nein es gehört zu meinem Leben. Ich persönlich glaube, dass die Lösung zu mehr Präsenz und bewusste Berührung u.a. darin besteht, sich nicht mit den Gefühlen zu identifizieren!! Aber… das ist nicht so einfach. 

 

Persönlichkeits-Bildung/Wachstum && ?

Fitness, Gefühle und Gedanken sind Themen, die mich persönlich und beruflich schon seit Jahren begleiten. In der Pädagogik nennen wir die Qualitäten, die Ressourcen, die mich befähigen, mein Leben selbstständig und mündig zu steuern, mit meinen Gefühlen und Gedanken umzugehen, für meine Gesundheit zu sorgen, mit Menschen respektvoll umzugehen und mich empathisch mit ihnen zu verbinden, um sie wahrzunehmen, Selbst- und Sozialkompetenzen. Dazu, das wissen wir alle, braucht es Disziplin und einen Willen, innere Stärke und stetige Reflexion.

 

Doch ist das alles? Sind wir zufrieden, wenn wir lebens-kompetent sind? Die letzten Jahre liessen mich in diesen Fragen nicht mehr zur Ruhe kommen. Reicht es, wenn wir uns begegnen, und es war nett und respektvoll? Oder kann mich etwas bis in mein Herz berühren? Reicht es, wenn wir körperlich berührt werden und wir danach sagen, es tat gut, meine Triebe sind gestillt, die Muskeln sind gelockert? Oder bin ich fähig, eine körperliche Berührung bis in jede Zelle, bis ins Herz zu spüren und kann ich sagen, das hat meine Seele berührt und genährt? Reicht es, wenn ich nach einem Spaziergang draussen sagen kann, ich habe etwas für meine Fitness gemacht? Oder wäre es nicht eine Bereicherung, wenn ich sagen könnte, dass ich die Pflanzen und Tiere dabei wirklich wahrgenommen und auch ihre Energie gespürt habe?

 

Ich möchte gerne in der Präsenz sein, mit meinen Sinnen immer mehr wahrnehmen, über meine Haut Berührung wahrnehmen, meine Gefühle ernst nehmen und meine Gedanken beobachten und zügeln, doch wer oder was kann mir dabei helfen? Das kann nur die Hälfte sein, ich wünsche mir etwas Grösseres, etwas Kraftvolleres, etwas Mächtigeres!

 

Und da komme ich nach Hause zu meinem Urverlangen, nach meiner Ursehn (-sucht, es kann tatsächlich wie eine Sucht sein…). Das Sehen nach Verbindung mit dem Göttlichen, mit etwas Grossem, mit der geistigen Welt, mit der göttlichen Liebe.

 

Spiritualität

Ich komme auf die Frage von oben zurück. Wer bin ich, wenn nicht meine Gedanken und Gefühle? Wer ist das, der/die die Gedanken und Gefühle hat? Wer schaut mir zu, wenn ich Gefühle und Gedanken habe, wenn nicht ich selber? Hier unterscheiden sich die erwähnten Recherchegrundlagen zwischen Theorien/Philosophien/Konzept und Spiritualität.

 

Tolle sagt, die höchste Macht ist die Präsenz, MBSR mit seinem buddhistischen Hintergrund schliesst jegliche höhere Existenz aus, die Spiritualität geht von einer göttlichen Existenz und einer geistigen Welt aus.

 

Und da finde ich die Antwort auf mein Sehnen, in der Spiritualität mit einer göttlichen Existenz und der Seele, die den Körper bewohnt.

 

Diese Erkenntnis macht mich sehr glücklich: Ich durfte einmal mehr in meinem Leben ja sagen, ja, dass ich an etwas Höheres, an das Göttliche, an die unendliche göttliche Liebe, an eine geistige Welt und an ein Einssein mit allem und allen, an Seele und Geist in mir und in allem glaube und dies auch so spüre. Voller Freude schrieb ich diese Erkenntnis einer Freundin und ihre Antwort war: «seit wann zweifelst du daran?» Ich habe nie daran gezweifelt! Ich habe nochmals neu JA dazu gesagt!! Denn ich glaube an die Liebe!!

 

Dieses JA hilft mir, das Thema Präsenz, Verbindung und Berührung weiter zu verfolgen. Ich stehe an, wenn das grosse Geheimnis der Liebe bei mir und bei meinem Körper aufhören sollte. Ich spüre mehr und ich bin unfähig, diese Liebe, diese Wahrnehmung, diese Präsenz, Verbindung und Berührung nur von mir aus zu erleben und zu erfahren. Mein Körper mit meinen Gefühlen und Gedanken schränken mich so stark ein, doch wenn ich davon ausgehen kann, dass ich Seele in einem Körper bin, dann bin ich tatsächlich nicht mehr meine Gefühle und meine Gedanken, sondern ich habe Gefühle und Gedanken. Dann werde ich als Seele zur Zuschauerin, kann mein Gedanken-Karussell beobachten, ohne mich damit zu identifizieren. Ich sitze als Seele im Publikum und beobachte das Theater auf der Bühne die Dramen, Krimis, Liebesszenen…. Ich kann beobachten und erspüren, wie es den SchauspielerInnen auf der Bühne geht, was sie bewegt, berührt, was sie brauchen könnten und welches Gedankenkarussell sich dreht. (Das Theater ist mein Leben mit all den täglichen Situationen. Ich spiele immer die Hauptrolle auf meiner Bühne und die Menschen um mich herum spielen Nebenrollen).

 

Übrigens, bis hierhin würden mir wahrscheinlich alle erwähnten Konzepte recht geben, ausser das Wort Seele würden sie anders benennen. Und genau dieses Wort, Seele, macht für mich die Spiritualität aus. Denn die Seele ist mit etwas Grösserem verbunden, ist ein Teil des Grossen. Durch die Seele bin ich ein Teil vom Göttlichen und ich darf abgeben, ich muss nicht nur selber machen, können, erarbeiten, erledigen, wachsen, loslassen… sondern ich bin begleitet, behütet, geführt und ich bin ein Teil des grossen Ganzen. Ich kann mich hingeben, Devotion leben (göttliche Hingabe), mich dem Strom des Lebens ohne Widerstand hingeben, im Wissen, dass alles seinen Sinn hat. Ich muss nicht mehr kämpfen, bekämpfen, mich wehren, verurteilen, sondern darf mich dem göttlichen Wirken hingeben.

 

Natürlich ist mir klar, dass ich trotzdem Mensch bin und bleibe. Wie ich das verbinde, beschreibe ich im nächsten Kapitel.

Körper, Seele und Geist = Ganzheitlichkeit

Das heisst aber nicht, dass ich mich zurücklehnen und nichts mehr tun soll/kann. Ich glaube, dass wir Menschen, im Gegensatz zu vielen anderen Lebewesen, einen Verstand und einen freien Willen geschenkt bekommen haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass die geistige Welt keinen Einfluss auf unser Leben nimmt, wenn wir sie nicht darum bitten. Das heisst, wir müssen in der Eigenverantwortung eine Entscheidung treffen, einen Willen für etwas entwickeln, uns etwas vornehmen und dann die geistige Welt um etwas bitten. Das kann z.B. bedeuten, dass ich sie um Wahrnehmung, um Präsenz, um Berührung im Herzen und in der Seele bitte. Es kann aber auch die Bitte um ein Auto oder ein Haustier sein.

 

Schon als Kind habe ich geglaubt, dass ich das Gebet mit Bitten und Danken dafür einsetzen kann, um etwas zu erreichen. Mit ca. 10 Jahren stellte ich Gott auf die Probe. Ich betete für die Note 6 im Zeugnis. Doch Gott liess sich nicht auf diesen Test ein. So entschied ich damals, nicht mehr an Gott zu glauben. Heute weiss ich, dass sich das Göttliche nicht instrumentalisieren lässt, sondern immer das höhere Ganze im Blick hat. D.h. sie hören unsere Gebete und unsere Bitten, doch der Weg dahin bestimmen sie. Und sich dem hinzugeben, auch wenn ich meine, nicht darum gebeten zu haben, das bedeutet für mich Devotion. Übrigens, ich habe hundert Mal darum gebeten, mehr Präsenz, Berührung und Verbindung zu erfahren, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass der Weg über einen Tumor führt!

 

Ich glaube und spüre, dass ich meinen Körper im Leben dafür einsetzen darf/kann, um wahrzunehmen (sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen = Körper mit den 5 Sinnen), über die Gefühle zu fühlen (Astralkörper) und eine mögliche Handlung mit dem Verstand zu überprüfen und umzusetzen (Mentalkörper). Und für diesen Prozess darf/kann ich die geistige Welt um Unterstützung bitten. Das bedeutet für mich Ganzheitlichkeit!!!

Wahrnehmung mit meinen inneren Sinnen

In der Spiritualität werden nebst den äusseren Sinnen (Augen, Ohren…) auch innere Sinne beschrieben. Sie haben eine ähnliche Funktion wie die Äusseren und werden von der Seele wahrgenommen, deshalb können sie auch Seelensinne genannt werden. Weiter geht die Spiritualität davon aus, dass alles beseelt ist, die Steine, die Pflanzen, die Tiere, die Menschen und viele geistige Wesen. (nicht alle)

 

Das ist für mich heute eine unumstössliche Tatsache. Ich spüre, dass es mehr gibt, in allem und ich wünsche mir, dass ich immer mehr mit diesen inneren Sinnen wahrnehmen darf/kann. Das würde konkret bedeuten, dass wenn ich einen Stein, eine Pflanze, ein Tier oder einen Menschen mit meinen äusseren Sinne betrachte, mich auch auf die inneren Sinne einlassen kann, um hinzusehen, hinzuhören… was mir auf der feinstofflichen Ebene entgegenkommt, was mir diese Seele mitteilen möchte, welche Energie dieses Wesen ausstrahlt. Es findet eine Herzverbindung, eine Seelenverbindung statt.

 

Herzensverbindung – Seelenverbindung

Zu diesen Themen habe ich zwar schon viele Notizen und Ideen, doch ich kann es noch nicht in einen Text verfassen. Zu viele Fragen beschäftigen mich, zu viele Emotionen bewegen mich, zu viele Zweifel und Ängste sind noch im Vordergrund.

 

4.     Schlussfazit

 

Ich liebe das Bild, dass ich im Leben in einem Boot auf einem Fluss unterwegs bin. Die Reise auf diesem Fluss ist sehr abwechslungsreich: es hat immer wieder grosse und kleine Steine, an die ich stosse, es treibt mich von der einen Flussseite an die andere, ja sogar Wasserfälle sind nicht auszuschliessen. Ich habe in diesem Boot die Wahl, mich vom Strom treiben zu lassen, sogar mit dem Körper mitzugehen, um die Turbulenzen aufzunehmen oder mich dagegen zu wehren, in den Widerstand zu gehen und gegen den Strom zu rudern. Fakt ist, der Strom bringt mich weiter, egal wie ich mich verhalte, doch angenehmer ist sicherlich das Loslassen, sich Treibenlassen, die Hingabe.  Lohnt es sich, in den Widerstand zu gehen? Walsch sagt in seinem Buch «Gespräche mit Gott», dass wir die Schöpfer unseres Lebens sind. Wie ist das kombinierbar, Hingabe/Devotion im Fluss, sein eigenes Leben schöpfen und den Willen einsetzen. Dieser Frage möchte ich auch noch weiter nachgehen.

 

Die Weisheit dieser Fluss-Geschichte kenne ich und doch erlebe ich immer wieder schwere Tage. Und wenn ich in mich hineinhorche, stresst mich nicht der Tag, sondern dass ich die Verbindung zu mir und zum Göttlichen verloren habe. Dass ich mich mit meinem Ego identifiziert habe und vergessen habe, dass ich Seele bin, die Gefühle hat und nicht umgekehrt. Und ich werte nicht über mich, sondern es macht mich traurig!

 

Nun, was möchte mir das sagen. Ich habe heute Abend beim Abendessen die Antwort erhalten. Ich sass mit 2 wunderbaren Frauen am Tisch und wir haben geplaudert. Die eine Frau ist 81 Jahre alt und noch richtig fit, sie beeindruckt mich. An diesem Tag hatte ich einen solchen schweren Tag. Plötzlich heiterte sich meine Gemütsstimmung auf. Ich konnte wieder lachen und die Gespräche geniessen. Es war einfach vorbei. Und das möchte ich mitnehmen: das Leben ist wie auf einem Fluss, es beschert mir Tumore, Beziehungsschwierigkeiten, glückliche/tolle Momente, wunderbare Menschen, die mich berühren, manchmal kann ich die Landschaft geniessen, die wunderbare Natur mit allen Sinnen wahrnehmen… und es gibt auch Momente, in denen ich meine Ideale, meine Spiritualität verliere, keinen Zugang mehr dazu habe. Dieses Verlieren der Verbindung mit sich und dem Göttlichen nennt die Spiritualität «die Dunkelheit der Nacht». Das fühlt sich für mich jedes Mal an, wie wenn ich auf dem Fluss mit dem Kopf nach unten, getaucht im Wasser, unterwegs bin. Ich kann gar nichts mehr wahrnehmen, nur noch versuchen, zu atmen und nicht zu versticken.

 

Doch das geht alles vorbei. Wichtig ist, so glaube und erfahre ich, dass ich weiss, was mir wichtig ist, wer ich sein möchte und wonach ich mich im Herzen sehne. Denn diese Inhalte bringen mich immer wieder zurück zu meinem Wesentlichen, da, wo ich meinen Willen, meine Disziplin einsetzen möchte. Und (dafür bin ich unendlich dankbar) ich spüre die geistige Welt, das grosse Göttliche, das mich auf diesem Fluss begleitet und unterstützt, den Weg kennt und mich hört, wenn ich bitte und auch danke.

Eine der wichtigen Weisheiten im Buddhismus lautet: alles ist vergänglich, alles geht vorbei. 

 

In Liebe und tiefer Verbundenheit Gabriela