Ich glaube an den Wachstum

Nun bin ich schon seit 3,5 Woche hier und ich habe unglaublich viel erlebt. Einerseits kann ich schon wieder richtig den Berg hochwandern und die Gegend erkunden, andererseits erlebe ich viel in der Meditation und beim Recherchieren. Die Zeit hier ist ein riesen Geschenk!

 

"Ich glaube auch an den Wachstum", dies schrieb mir ein Freund als Reaktion auf den letzten Blog. Ja, ich glaube an den Wachstum als Mensch, das kann ich von mir sagen und das erlebe ich hier in der Auszeit sehr eindrücklich. Und je mehr ich mich mit dem Thema Berührung beschäftige, desto mehr Unterthemen tauchen auf. Mir wird bewusst, dass bewusste Berührung nicht ohne Präsenz stattfinden kann, dass ich mit all meinen Sinnen Berührung erleben kann, dass immer alles Berührung ist, egal wo und mit wem ich gerade zusammen bin, dass Berührung nicht nur körperlich stattfindet, dass ich mit oder ohne Herz berühren kann, dass während einer Berührung eine Herzensverbindung entstehen kann oder auch nicht, dass körperliche Berührung ein Grundbedürfnis von uns Menschen ist, dass Berührung über die Haut und auch energetisch spürbar ist, dass viele Menschen mit diesem Thema unterwegs sind, jedoch oft nicht nachvollziehen können, was mein Anliegen darin ist.

 

Mit all diesen Feststellungen kamen Fragen auf? Was heisst energetische Berührung? Was heisst Herzensverbindung? Wie kann ich mein Herz öffnen? Wie kann ich mich von der geistigen Welt berühren lassen? Wenn ich ein Körper-Seele-Geist Wesen bin, was ist eigentlich Seele und wo sitzt sie?  Wo kommen die Gefühle her, wie spüre ich sie und wie beeinflusst sie mich? Wie kann ich besser und präsenter wahrnehmen?

 

Diese Fragen kommen und gehen, beschäftigen mich, lassen mich erleben, beobachten, recherchieren, meditieren. Was ich in dieser intensiven Zeit erlebe, möchte ich in diesem und in weiteren Blogs beschreiben. Es ist mir klar, dass die Antworten und Ideen nie vollständig und abgeschlossen sein werden. Dies merke ich immer wieder, wenn ich meine Notizen von den letzten Tagen lese, oftmals hat sich die Idee schon weiterentwickelt, verändert und vervollständigt, ich bin gewachsen. Ich werde mit grossem Interesse dranbleiben und mein Wissen, meine Erfahrungen, meine Erlebnisse und meine Erkenntnisse niederschreiben. Vielleicht bringt es dich ja auf die eine oder andere Idee, die du auch ausprobieren, überprüfen oder erleben möchtest.

 

Körperempfindung

Als ich mich mit den Gefühlen auseinandergesetzt habe, stiess ich bei verschiedenen Quellen auf die Frage: wo spürst du dein Gefühl im Körper? Da wurde mir bewusst, dass es auch ein Empfinden, eine Körperempfindung gibt. Ich kann sehen, hören, riechen, schmecken, tasten, fühlen, denken und empfingen (Körper). Ich empfinde meinen Körper. Das heisst, der Körper spricht in seiner eigenen Sprache: Kribbeln, Schmerzen, Pochen, Drücken, Stechen, Zucken, Gänsehaut. Oder ich kann auch sagen, ich empfinde die Körperstelle als verstopft, zerrend, zusammengezogen, hämmernd, kühl, ruhig, feucht… . Dies sind zwar z.T. die gleichen Wörter wie bei den Gefühlen, doch ich spreche nicht von der Psyche, von Gefühlen, wie wir sie kennen, sondern vom Körper.

 

Ich bin dem Körperempfinden über Tage nachgegangen und habe für mich geniale Erfahrungen machen dürfen. Wenn ich ein Gefühl wahrnehme, z.B. Trauer, kann ich mich auf den Körper konzentrieren und wahrnehmen, wo sich dieses Gefühl im Körper manifestiert hat. Dies ist ein Hinweis für eine Blockade, ein sich Verschliessen, ein sich Zusammenziehen in meinem Körper. Nun geht es nicht darum, dieses Gefühl sofort loszuwerden und die verkrampfte, schmerzende Körperstelle zu entspannen. Ich habe das versucht, doch das war unbefriedigend. Ich merkte in mir ein grosses Verlangen, in meinen Gefühlen gesehen zu werden und zwar primär von mir selber. So habe ich mich selber, in der Vorstellung in den Arm genommen, wie eine Mutter ihr weinendes Kind und ich habe mit dem Kind gesprochen. D.h. ich habe ein Ich-Du Verhältnis aufgebaut und habe das du, das Kind getröstet. Dies hat schon viel Entspannung gebracht.

 

Kinder wünschen sich aus tiefstem Herzen, in ihrem Schmerz gesehen und getröstet zu werden. Das Schlimmste was man einem Kind antun kann, ist alles zu verharmlosen und zu negieren. Genauso ist es mir auch ergangen. Erst als ich mich gesehen gefühlt habe, konnte ich mich auf die Körperstelle konzentrieren. Dann konnte ich anwenden, was ich von verschiedenen Lehren gelernt habe: in die Stelle atmen und beim Ausatmen loslassen, ziehen lassen. Und schau an, der Körper entspannte sich und ich konnte mich beruhigen. Das heisst aber nicht, dass das Thema nun vom Tisch ist. Jetzt, mit einem relativ klaren Kopf kann ich mir selber zuhören. Was beschäftigt mich? Was brauche ich? Was hätte ich der vorherigen Situation gebraucht? Kann ich im Moment etwas unternehmen? Ich reagiere und handle jetzt im Erwachsenen-Ich (TZI).

 

Ein Beispiel: An einem Morgen stand ich traurig auf. Die ersten 2 Stunden war ich nicht in der Lage, den oben beschriebenen Prozess anzuwenden, ich war gefangen, das Gedankenkarussell drehte. Erst die bewusste Entscheidung, mich hinzusetzen und diesen Ablauf durchzugehen, half mir, herauszufinden, was mein Thema war: ich war traurig, weil ich mich alleine fühlte, weil ich schon so lange von zu Hause weg war. Ich zeigte mir selber Verständnis und ich wertete nicht über meine Traurigkeit. Ich spürte das Gefühl in meinem Oberkörper, im Lungenbereich, mein Atem war schwer. Es gelang mir, mit dem Ein- und Ausatmen meinen Atem zu befreien. Die Frage, ob ich im Moment etwas verändern könnte, brachte mich dann auf die Idee, mich beim Mittagessen zu jemandem zu setzen und zu plaudern. Danach fühlte ich mich besser.

 

Ich habe für mich entschieden, dass dies eine Art von Selbstliebe ist, die ich von nun an so viel wie möglich zelebrieren möchte. Ich möchte mich sehen, mich und meinen Körper wahrnehmen, ernst nehmen und bewusst Entscheidungen treffen, die mir gut tun.

 

Auch bei Wut kann dieses Modell helfen. Ein Beispiel: An einem Morgen fühlte ich Wut, weil ich in diesen 4 Wochen, in denen ich hier bin, viermal das Zimmer wechseln muss (sonst hätte ich nicht hierherkommen können, denn es war fast alles ausgebucht). Als ich dann heute das vierte Mal für 3 Stunden ohne Zimmer war, weil das neue Zimmer noch nicht gereinigt war, kam Wut auf. Bei Wut ist es für mich ratsam, zuerst zu überprüfen (wenn das noch möglich ist), ob es Sinn macht, das Gefühl hier und jetzt bei diesen Menschen auszuleben. Wut verletzt, sie bringt mich dazu, Dinge zu sagen, und zu tun, die ich nachher evtl. bereue. Ich erlebe es als hilfreich, deeskalierend zu handeln, d.h. den Raum zu verlassen und die Perspektive zu verändern. Jetzt kann ich die Wut leben, mich ernst nehmen, mir selber Verständnis zeigen, meine reagierende Körperstelle beatmen und wenn ich mich beruhigt habe, entscheiden, ob eine Handlung angebracht ist. In meinem Fall habe ich nichts unternommen, denn sie sind hier alle sehr besorgt, dass es mir gut geht.

 

Ich denke, ich kann den Prozess auch umkehren. Wie oft fühlen wir einen Schmerz und behelfen uns mit einer Schmerztablette. Ich denke, der Körper möchte mir immer etwas sagen und zwar die Wahrheit: ein Gefühl, eine Blockade, einen Stress, eine Vernachlässigung… . (Auch bei Tumoren)

 

Ich glaube, dass unser Körper immer die Wahrheit sagt. Er zeigt uns auf, was im Moment lebendig ist in mir, wie es mir geht, was ich brauche, welche Entscheidungen ich treffen soll, wie ich momentan reagieren soll. Bei einer spirituellen Lehrerin habe ich sogar gelesen, dass mein Körper der Reaktionskörper der Seele sei.

 

Doch was ist mit unseren Gedanken? Was ist mit meinem Gedankenkarussell, das mich permanent beeinflusst, mir suggeriert, dass die anderen Schuld sind an meinem Leid und mich davon abhält, mich wahrzunehmen?

 

Zusammenhang von Gefühlen und Gedanken

Viele Menschen glauben, dass sich ihre persönliche Gefühlslage ändert, wenn gewisse gewünschte Ereignisse in ihrem Leben eintreten (z.B. wenn sie Kinder kriegen, ein Haus besitzen, im Lotto gewinnen). Forschungen zeigen, dass die äusseren Umstände keinen Einfluss auf die eigene Gefühlslage haben. Sie können zwar kurzfristig einen Effekt bewirken, aber die Grundstimmung lässt sich nur durch das eigene Denken neu definieren. Das heisst, nur der Mensch selbst kann seine Gefühlslage nachhaltig ändern. (open-mind-akademie.de).

 

Wie schon im letzten Blog erwähnt, sagt Walsch, dass wir die Schöpfer unseres Lebens sind. Das heisst, und das ist wissenschaftlich bewiesen, dass ich durch den Willen positiv zu Denken, meine Gefühle beeinflussen kann, ist das nicht genial?! Und dem nicht genug, denn die Spiritualität beruft sich auf das Gesetz der Resonanz. D.h. ich ziehe an, was ich ausstrahle. Wenn ich negative Gedanken und die dazugehörigen Gefühle ausstrahle, werde ich auch auf solche Menschen und solche Situationen stossen.

 

Genau das habe ich hier in meiner Auszeit bei zwei Menschen beobachten können. Eine Frau, eine Tischnachbarin von mir, sah überall nur das Schlechte: es regnet schon wieder, was soll ich nur tun? Schon wieder keine Kohlenhydrate, ich werde sicherlich wieder Hunger haben! Ich werde diese Diät zu Hause nie schaffen! Diese Frau war den ganzen Tag deprimiert und kam von fast allen Massagen frustriert zurück. Sie hat sich kaum über etwas gefreut. Die andere Frau beschwerte sich schon am ersten Tag über das Personal, sie seien unfreundlich und unprofessionell. Auch die Massagen waren in ihrer Ferienwoche keine Erholung, denn auch hier konnte es ihr niemand recht machen. Sie klagte auch immer wieder, dass die Leute ihr eine schnippische Antwort gaben. Diese Frau reiste unzufrieden von ihrem Wellnessurlaub nach Hause (sie hatte eine Anreise von 8 Stunden auf sich genommen). Spannend dabei fand ich, dass ich dasselbe Wetter, dasselbe Essen, dasselbe Personal und dieselben MasseurInnen hatte und ich finde alles toll!

 

Wenn das stimmt, bin ich froh, dass ich an jenem Morgen meine Wut, die ich gespürt habe, weil ich das Zimmer noch nicht beziehen konnte, nicht mit negativen Gedanken und Worten genährt habe und es freigeben konnte, denn wie sagt das Sprichwort: «Gedanken folgt Energie». Und diese Energie ist für den anderen spürbar und auch so reagieren (ausser diese Person ist schon so bewusst, dass sie es umwandeln kann) und so käme es wieder auf mich zurück. (Übrigens, wenn ich entschieden hätte etwas zu sagen, hätte ich es mit einem ruhigen und klaren Kopf in der Gewaltfreien Kommunikation angesprochen).

 

Wo kommen die Gefühle her und wo spüre ich sie?

Ich durfte hier mit einer tollen Frau, Psycho- und Körpertherapeutin, über mein Sehnen nach Herzens-Berührung sprechen. Sie hörte mir interessiert zu, gestand mir aber ehrlich, dass sie nicht ganz nachvollziehen könne, was ich meine. Nach einem Spaziergang kam sie wieder auf mich zu, mit der Bitte, nochmals darüber austauschen zu können. Das Thema habe sie den ganzen Weg begleitet. U.a. kam bei ihr die Frage auf, ob es nicht möglich sei, auch ohne Herz effizient berühren zu können. Sie als Therapeutin müsse sich doch vor all den Emotionen und Geschichten schützen. Sie könne nicht alles in ihr Herz lassen und Gefühle dafür entwickeln, das würde sie überfordern und auslaugen.

 

Es wurde mir bewusst, dass sie das Herz mit ihren Gefühlen verbindet und deshalb auch nicht nachvollziehen kann, was ich mit Herzensverbindung meine. Das hat mich motiviert, mehr über die Anatomie der Gefühle zu lesen.

 

Bevor ich darauf eingehe, möchte ich ein Beispiel schildern: Ich durfte hier eine Abyangamassage (Ayurveda) geniessen. Die Masseurin war sehr professionell, die Massage sehr angenehm, doch ich konnte keine Herzensqualität wahrnehmen. Ich bin sicher, sie schützt sich auf diese Weise.  Nach der Massage wies sie mich darauf hin, dass bei dieser Massagetechnik auch psychische Reaktionen folgen könnten. Bingo, ich weinte und die Operation kam nochmals hoch. Schlussfolgerung: die Massage/Berührung kann auch ohne Herz effektiv sein. Doch die Frage ist für mich: will ich das?

 

Die Neurowissenschaft kann heute genau beschreiben, wie Gefühle entstehen. Kurz zusammengefasst reagiert ein bestimmter Teil im Gehirn auf einen Reiz, eine Situation, einen Gedanken und sendet dies an den präfrontalen Cortex, der entscheidet, welche Handlung im Moment für diese Situation Sinn macht. Gleichzeitig werden Informationen an den Körper gesendet, die den Körper für die Situation bereit macht. Dies kann ich nicht aktiv wahrnehmen, doch die Körperreaktion ist in einer Körperempfindung spürbar. (z.B. Herzklopfen, Schweisshände, Bauchschmerzen). Das heisst, die Gefühle haben eigentlich nichts mit unserem Herzen zu tun, sondern mit dem Gehirn (Gedanken) und wir spüren Körperreaktionen an sehr verschiedenen Stellen im Körper. Und doch gehen wir davon aus, dass wir im Herzen spüren und das ist auch nicht schlimm. Ich finde es schön, wenn ich jemandem sagen kann, was fühlst du im Herzen? Doch wenn ich davon ausgehen kann, dass Gefühle eine Reaktion vom Gehirn auf einen Impuls, auf einen Gedanken sind, wäre es dann nicht logisch, dass wir uns vor unseren Gedanken schützen müssen und nicht vor dem gegenüber? Denn wie oben beschrieben, Gefühlen gehen Gedanken voraus.

 

Macht es dann nicht Sinn, immer wieder zu überprüfen und mich zu fragen, was denke ich gerade? Was denke ich über mein Gegenüber? Möchte ich das denken? Oder möchte ich wahrnehmen, was ich fühle und brauche, unabhängig vom anderen?

 

Wenn die Gefühle nicht vom Herzen kommen, was meine ich dann mit dann mit Herzensverbindung? Was geschieht im Herzen? Gibt es da auch Gefühle?

 

Empathie und Mitgefühl

Eines der höchsten Tugenden und Ziele im Buddhismus ist das Mitgefühl. Dabei unterscheidet diese Philosophie/Religion klar zwischen Empathie und Mitgefühl. Wenn ein buddhistischer Mönch Mitgefühl einüben möchte, beginnt die Mediation über Wochen mit Empathie, mit dem sich einfühlen in den Schmerz einer anderen Person. Er geht in die Resonanz der leidenden Person und fühlt den Schmerz am eigenen Körper. Dies, das wurde wissenschaftlich belegt, führt zu Erschöpfung, Ausgebrannt sein, zu Hilflosigkeit und einer eigenen Unstimmigkeit im Tag. Das Mitgefühl hingegen identifiziert sich nicht mit dem Leid des anderen Menschen, sondern man stellt sich vor, dass dieser Mensch sein Leid beenden und dass er glücklich sein möchte und dass ich ihm darin sehr ähnlich bin. Dies entwickelt in mir den Wunsch, dass das Gegenüber vom Leid befreit wird. Der Mitfühlende entwickelt positive und verständnisvolle Gefühle in sich selber und dies stärkt seine innere Kraft, seine innere Balance und seine gutmütige Entschlusskraft, dem Leidenden zu helfen und ihm etwas Gutes zu tun. Dies löst einerseits im Leidenden das Gefühl von gesehen und verstanden werden aus und es stärkt andererseits den Mitfühlenden, d.h. er/sie muss sich nicht abgrenzen, im Gegenteil, sie wird durch diese Art von Liebe/Mitgefühl genährt.

 

Und jetzt wird es spannend, denn beim Recherchieren zum Thema Buddhismus und Mitgefühl bin ich auf das Wort Altruismus gestossen: Mitgefühl ist der altruistischen Liebe ähnlich (altruistische Liebe = uneigennützige, selbstlose Liebe, die auf das Wohl eines andern gerichtet ist. Diese Liebe kommt immer vom Herzen, «wikipedia»). Wow, kann ich davon ableiten, dass Liebe immer vom Herzen kommt?

 

Die Liebe

Ja, ich glaube fest daran, dass wahre Liebe immer vom Herzen kommt. Ich persönlich erlebe zwei verschiedene Arten von Liebe: die menschliche Liebe und die göttliche Liebe. Die menschliche Liebe erlebe ich als vergänglich, unberechenbar, willkürlich, sie verändert sich je nachdem, wie meine Stimmung ist und wie sich der Mensch gerade verhält. Das kommt sicherlich davon, dass auch dieses Gefühl mit Gedanken zusammenhängt und eine Reaktion meines Gehirns auf diese Gedanken ist. (schade!) Und doch, je bewusster ich mit meinen Gefühlen und Gedanken umgehe, desto mehr spüre ich die Liebe im Herzen, sie wird immer stabiler und unabhängiger.

 

Die göttliche Liebe hingegen ist beständig, unveränderbar und situationsunabhängig. Und wo kommt die göttliche Liebe her?

 

Verbindung mit der geistigen Welt

Leider weiss ich nur wenig über die geistige Welt. Das meiste, was ich als «Wissen» deklarieren würde, ist angelesen oder von einer spirituellen Lehrperson übernommen. Und doch habe ich das Gefühl, mit der geistigen Welt in Verbindung zu sein. In der Meditation, in der Stille, kann ich sie spüren, in Form von Energien, von einem inneren Frieden, von einer inneren Ruhe, von Glückseligkeit, von Gelassenheit, von einem Vertrauen und einer absoluten Hingabe (Devotion). Ich kann spüren, dass mich die geistige Welt berührt, dass sie mich berühren möchte. (und dafür bin ich ihnen unendlich dankbar!) Und ich kann die Liebe, die ich von der göttlichen Kraft erfahre, spüren, denn sie hilft mir, im Mitgefühl mir und anderen gegenüber unterwegs zu sein und in der Wahrnehmung immer bewusster zu werden. Ich fühle mich getragen und unterstützt von meinem "geistigen Team".

 

Die Seele

Was ist die Seele? Ich weiss nicht, ob irgendjemand auf der Welt genau sagen kann, was die Seele ist. Viel Menschen beschreiben zwar die Seele und greifen auf Channeling und andere Informationen der geistigen Welt zurück, doch wenn ich Fachbücher, das Internet und auch LehrerInnen als Informationskanal einsetze, bekomme ich verschiedenste Antworten. Meine spirituelle Coach sagt immer wieder: «das sind alles nur Bilder, Versuche, etwas in Worte zu fassen, wofür wir eigentlich keine Worte und kein Vorstellungsvermögen haben».

 

Und trotzdem habe ich mir ein Bild kreiert, mit Hilfe von verschiedenen Erklärungen und eigenen Erkenntnissen aus meiner Meditation. Ich werde mein Bild über die Vorstellung der Seele gerne beschreiben, weil ich daraus Ableitungen machen kann und so Antworten auf meine Fragen entstehen.

 

Walsch beschreibt die Seele auf eine Art, die mir sehr eingeleuchtet hat. Er sagt, die Seele sei wie die Luft, die überall ist, in allen Räumen und in allen Zwischenräumen. Diese Luft hat keine Abgrenzungen, sie ist überall. Und doch ist die Luft in der Küche, nach dem Kochen, anders als im Wohnzimmer und im Schlafzimmer. So erklärt er die persönliche Seele. Meine Seele ist ein Teil der Luft, sie hört eigentlich nicht auf, hat keine Grenzen, und doch gibt es eine persönliche Seele. Diese Vorstellung gefällt mir sehr, denn das zeigt in einem einfachen, fast kindlichen Bild auf, dass wir alle Eins sind, alle zusammenhängen und doch jeder Mensch eine eigene Seele hat.

 

Die Spiritualität geht dann einen Schritt weiter und sagt, dass die Seele sich drei Formen/Körper erschafft, mit diesen 3 Körpern den physischen Körper bewohnt und diese 4 Körper ihr als Erfahrungszentrum dienen. D.h. mit Hilfe von diesen Körpern kann sie erfahren, erleben und ihre Aufgabe erfüllen. Gunda Scholdt beschreibt die Aufgaben der verschiedenen Körper und die damit zusammenhängende Erfahrung der Seele wie folgt: «Der Ätherkörper/Vitalkörper ist dafür zuständig, den physischen Körper zu beleben, zu aktivieren. Der Astralkörper /Emotionalkörper ermöglicht dem Menschen, seine Wünsche und Begierden, aber auch seine Gefühle und Empfindungen im Körper zum Ausdruck zu bringen. Der Mentalkörper befähigt uns zu denken. Dadurch besitzen wir die Freiheit der eignen Entscheidung. Denn allem Geschehen im Physischen geht ein gedanklicher Impuls voraus. Er befähigt uns zu konkreten, logisch-schlussfolgerndem Denken und bildet deshalb die wichtigste Voraussetzung einer integrierten und selbstbewussten Persönlichkeit, die sich durch Selbstständigkeit und Selbstbestimmung auszeichnet.»

 

Daraus schliesse ich, dass ich als Mensch die Aufgabe habe, mich meiner Gedanken und Gefühle immer bewusster zu werden, mich zu spüren, wahrzunehmen, die Körperempfindung zu epfinden, um damit einerseits die Blockaden, Gedankenmuster, Konditionierungen und Glaubenssätze aufzulösen (denn die Spiritualität sagt: eine reife Persönlichkeit besitzt Wissen (Bewusstsein) und handelt reflektiert und mitfühlend und verletzt nicht) und andererseits immer bewusster zu werden, dass ich ein Körper-Seele-Geist Wesen bin.

 

So stelle ich mir Heilung vor. Denn heil sein bedeutet ganz sein, ganzheitlich sein, mich als Körper-Seele-Geist wahrzunehmen, Ich-Selbst zu sein, bei mir zu Hause zu sein, Eins in mir und mit allem zu sein und immer bewusster in der Eigenverantwortung über meine Gefühle und Gedanken zu sein.

 

Ich persönlich möchte zunehmend alles was ich tue, ganz tun, im Bewusstsein von Körper-Seele-Geist, und dies mit allen Sinnen, mich berühren lassen, aussen wie auch innen und im Herzen! Denn Berührung ist Heilung. Ich stelle mir vor, dass Berührung auf allen Ebenen stattfindet, zu aller Zeit, an jedem Ort statt. Denn ich werde als Körper (4 Körper) Seele und Geist berührt.

 

Genau danach habe ich mich gesehnt!!! Ich erahnte, dass Berührung mehr bedeutet.

 

Gleichzeitigkeit

Wie sich das nun im konkreten Leben umsetzen lässt, das möchte ich erforschen, erleben, erfahren. Ist es möglich, gleichzeitig den Körper und die Seele wahrzunehmen? Wie stelle ich einen Fokus mit den Sinnen und bin mir gleichzeitig meiner Seele und/oder dem Göttlichen/Geist bewusst? Kann der Atem dazu eine Hilfe sein? Wie kann ich mein Bewusstsein, meine Wahrnehmung, meine Achtsamkeit behalten, wenn ich unter Menschen bin?

 

Tägliche Übungen

Mir ist klar, dass ich diese Fähigkeit, in der Achtsamkeit zu sein, trainieren muss/möchte, wie ein Muskel, der erschlafft ist, der schon lange nicht mehr gebraucht wurde. Dies ist eine bewusste Entscheidung, die ich treffen möchte, jeden Tag, ich möchte in der Eigenverantwortung sein. Und es ist mir auch klar, dass ich in Selbstdisziplin trainieren und den Kanal vorbereiten kann. Auch die körperliche Berührung kann ich mit meinem Willen, mit meiner Entscheidung und Bereitschaft beeinflussen. Ich kann aktiv schenken und mich beschenken lassen.

 

Anders bei der Berührung aus der unsichtbaren, aus der seelisch-geistigen Welt, die immer da ist. HIer stellt sich nicht die Frage, ob sie ist, sondern, ob ich sie mir bewusst bin. Und das Bewusstsein, die Achtsamkeit, die kann ich wieder trainieren.

 

Ich-Du Beziehung

Martin Buber beschreibt in seinem Buch «Ich und Du» auf eindrückliche Weise die Ich-Du Beziehung. Diese Idee hilft mir, die Berührungen auf allen Ebenen und Körpern immer bewusster wahrzunehmen. Ich spreche mit meinem Körper im Du-Gespräch: «Wie geht es dir? Was fühlst du? Was denkst du? Was möchtest du mir sagen? Was brauchst du? Auge, was siehst du? Nase, was riechst du?...». Ich spreche mit der geistigen Welt «Liebes geistiges Team, helft mir. Göttlicher Vater, schenke mir Weisheit. Schutzengel, bitte beschützt mich. Mutter Erde, danke für die Nahrung und Erdung.»

 

Seit ein paar Tagen bin ich mit meiner Seele im Du unterwegs. Diese Begegnung, diese Du-Beziehung geniesse ich sehr und es Du hilft mir, in der Präsenz zu sein: «Guten Morgen Seele, ich freue mich auf den Tag mit dir. Siehst du die Blume, die Farbe und die Hummel, die gerade Nektar trinkt und kannst du durch meinen Körper wahrnehmen, wie sich das anfühlt? Kannst du die Amsel singen hören und kannst und durch meinen Körper wahrnehmen, wie sich das anfühlt? Wir gehen jetzt zusammen in den Münchner Dom, welche Energie kannst du über meinen Körper wahrnehmen? Ich wandere gerade bergauf, entschuldige, ich muss mich konzentrieren und habe nicht die Kraft, mit dir zu sprechen. Nimm doch bitte wahr, ohne dass ich deiner bewusst bin.»

 

Dieses Du mit meiner Seele geniesse ich in vollen Zügen! Es ist auch schon vorgekommen, dass ich ins Du treten wollte und es mir nicht gelungen ist. Die Seele übernahm das Du zu mir. Sie bat mich, einfach zu sein, in ihr zu sitzen und nichts zu fokussieren, einfach nur wahrzunehmen, was gerade ist. Ich kam absolut zur Ruhe. Dies ist aber nur möglich, wenn ich eine Pause einlege, nichts mehr tue, nichts mehr will, mich einfach dem Raum hingebe.

 

Schlussfolgerung

Ich möchte gerne zusammenfassen, was ich in den letzten Tagen zu meinen vier Wörtern erkennen durfte.

 

Liebe: Die wahre Liebe findet im Herzen statt, ohne Gedanken, ohne zu urteilen und zu werten. Ich möchte mich immer mehr meinem Herzen zuwenden, und ich möchte im Mitgefühl dem anderen begegnen.

 

Wahrheit: Der Körper sagt mir immer die Wahrheit. Ich möchte mich immer mehr meinem Körper zuwenden, ihn wahrnehmen, ihn ernst nehmen und für mich einstehen. Und ich möchte achtsam sein, mit wem ich wie umgehe, was ich wem erzähle, wem ich was zumute. Denn wahr sein heisst nicht immer, allen alles erzählen zu müssen.

 

Freiheit: Freiheit bedeutet, mich nicht von meinen Gefühlen und meinen Gedanken beherrschen zu lassen, mich nicht mit ihnen zu identifizieren. Freiheit bedeutet, frei zu sein, von der Abhängigkeit meiner Begierde und meiner Wünsche, sondern diese wunderbaren Veranlagungen als Ressourcen zu sehen (Begierde, Wünsche, Lust, Trieb… sind ein Geschenk, wenn ich sie leben kann und nicht sie mich leben). Ich möchte immer freier werden und dabei meine eigenen Grenzen akzeptieren.

 

Berührung: Die Frage ist nicht, findet Berührung statt, sondern, nehme ich sie wahr. Bin ich präsent genug, um sie wahrzunehmen. Denn Berührung findet immer und überall statt. ich möchte meine Wahrnehmung schulen.